In dunklen Zeiten

in die Dunkelkammer. Fürs Papier schöpfen ist es ja leider zu kalt. Unsere Papierwerkstatt läßt sich nämlich nicht heizen und so muss sich der Holländer bis ca. April in Geduld üben. Nächste Woche möchte ich eine Art Schilfgras ernten gehen. Ich weiß noch nicht, wie die Pflanze heißt, die ich da sammeln werde, aber sie wächst hier sehr häufig und hat einen sehr hellen Ton. Ähnlich wie Stroh, aber deutlich weißer. Die Ausbeute werd ich dann in der Werkstatt lagern. Vielleicht ist es ihm ein kleiner Trost.

Zurück zur Dunkelkammer: Ich hab diese Jahr fast nur damit zugebracht meinen Tiefdruck / Photopolymer Workflow so hinzubekommen, dass ich mit den Ergebnissen zufrieden bin. Wer sich wie ich in diesen Prozess verliebt hat, weiß, dass diese Liebe sehr einseitig sein kann. Von den gefühlt 1000 Arten, statt einem schönen Druck ein Desaster zu fabrizieren ein andermal mehr 🙂

Jetzt also zu Abwechslung mal leichtere Kost: Cyanotypien und Van Dyke Fotos. Als erstes Setze ich frische Chemie an.

Cyanotypie

Für die Cyanotypie benötigt man Ammoniumeisen(III)-citrat und Kaliumhexacyanoferrat. Letzteres hört auch auf den hübscheren Namen ‚rotes Blutlaugensalz‘. Ich habe mich jahrelang an das ursprüngliche Rezept des Erfinders John Herschel gehalten, bin aber letztes Jahr über das wunderbare Buch ‚Cyanotype Toning‘ von Annette Golaz gestolpert. Im Buch geht es hauptsächlich darum, das doch sehr blaue Blau der Cyanotypie mit Hilfe von anderen Pflanzen loszuwerden und durch einen ganzen Regenbogen an Farbmöglichkeiten zu ersetzen.

Ein wirklich gutes und schönes Buch. Und so ganz nebenbei liefert es auch eine neue Rezeptur. Annette Golaz hat diese Rezeptur selbst übernommen (von Christina Z. Andersen) und ist davon begeistert. Und ich bin das jetzt auch.

Schritt eins: 20 Gramm Rotes Blutlaugensalz abwiegen, in 200 Millilitern destilliertem Wasser auflösen und anschließend in einer braunen Glasflasche aufbewahren. Flasche ordentlich beschriften.

Schritt zwei: 20 Gramm Ammoniumeisen(III)-citrat in 200 Millilitern destilliertem Wasser auflösen, in braune Glasflasche füllen, beschriften.

Schritt drei: gibt es nicht, wir sind fertig. Wir haben jetzt zwei Lösungen, die getrennt von einander jahrelang haltbar sind. Vor Gebrauch zu gleichen Teilen in benötigter Menge mischen und innerhalb von ein paar Stunden verwenden. Achtung: sobald die zwei Chemikalien vermischt sind, ist diese Mischung UV-lichtempfindlich.

Van Dyke

Die Chemie für Van Dyke Drucke ist nicht viel komplizierter. Hier verwenden wir nicht 2 Chemikalien, sondern 3. Dafür brauchen wir nur eine braune Glasflasche. Das Rezept ist diesmal das überlieferte Original und geht wie die Cyanotypie auf John Herschel zurück.

Schritt eins: 27 Gramm Ammoniumeisen(III)-citrat in 100 ml destilliertem Wasser auflösen.

Schritt zwei: 4,5 Gramm Weinsäure in 100ml destilliertem Wasser auflösen und anschließend mit der ersten Lösung vermischen.

Schritt drei: 12 Gramm Silbernitrat in 100 ml destilliertem Wasser auflösen. Silbernitrat ist lichtempfindlich. Von hier an gibt es also keine Fotos. Wenn das Silbernitrat gelöst ist, langsam in die Mischung der ersten beiden Chemikalien einrühren.

Schritt vier. Alles zusammen in eine braune Glasflasche füllen und dunkel lagern.

Eine Antwort zu „In dunklen Zeiten“

  1. Avatar von Franz
    Franz

    Toll, danke!

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28.12.2025

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