Zum Jahresende …

noch einmal hinaus zum Sammeln.

Christian interessiert sich schon seit Längerem für das schilfartige Gras, das wir beim Spazierengehen entdeckt haben. Im Sommer grün wuchernd – im Winter blass und trocken – steht es auf einem sumpfigen Fleck nahe eines Bachs. Und das in Massen. Obwohl wir nicht wissen, ob es wirklich Schilf – oder auch nur mit Schilf verwandt ist, nennen wir es einfach Schilfgras. Christian meint, dass es sich sicher gut zu hellem Papier verarbeiten lässt.
Seit Wochen reden wir davon, zu ernten. Heute, am letzten Tag des Jahres geht es los.
Die Sonne scheint, es ist windig und eisig kalt. Wir gehen ein Stück durch den Wald und kommen zu einen sumpfigen Platz, den wir gern besuchen, und der zu jeder Jahreszeit schön ist: Junge Bäume, dazwischen der Bach, der sich in viele parallel laufende Kanäle aufteilt, im Frühsommer Sumpfdotterblumen und riesige gelbe Sumpf-Schwertlilien. Die seltene blaue Himmelsleiter haben wir dort auch schon gesehen.

Jetzt im Winter ist alles braun – dazwischen hart gefrorene Reste vom letzten Schneefall. Das Schilfgras, das sonst so hoch steht, hat sich hingelegt. Die trockenen Büscheln zwischen den Schneehaufen rascheln im Wind.
Für unsere Papierexperimente ist genug davon da.

Und bald haben wir genug gesammelt. Gott sei Dank, ich habe meine Handschuhe daheim vergessen und nach dem Fotografieren brennen meine Finger vor Kälte.
Übrigens gehen wir diesmal nicht mit einem Müllsack Material sammeln, sondern stilecht mit einer großen Korb-Bütte.

Zurück geht es durch den Wald. Christian steht die Bütte gut. Damit macht er seinem Zweitnamen „Schrat“ alle Ehre.

Auf der Straße fährt ein Holzarbeiter auf seinem Traktor an uns vorbei. Er grinst über das ganze Gesicht und grüßt Christian freudig. Vielleicht amüsiert er sich über die Bütte, vielleicht ist er einfach nur nett. Ich habe da so eine Ahnung …

Daheim wird das Schilfgras neben den anderen potentiellen Papier-Pflanzen verstaut. Christian wartet sehnsüchtig darauf, dass das Wetter warm genug wird, um wieder schöpfen zu können. Im Augenblick ist es in der Papierwerkstatt in unserem zugigen, unheizbaren Schupfen viel zu kalt dafür.

Oben in der Druckwerkstatt dagegen ist es warm und die „halbgaren“ Neujahrskarten warten auf den zweiten Druckdurchgang.

Nächstes Jahr ist auch noch Zeit.

31.12.2025

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