Kräuterportraits /1

Zuerst wird geschnitzt.

Linolschnitt – kennen wir das nicht aus der Schulzeit? Ich erinnere mich noch an kleine Unfälle und blutende Finger im Klassenzimmer. Vor kurzem habe ich es wiederentdeckt und gleich zwei meiner Lieblingsthemen verknüpft: Drucken und Kräuter.

Ich und fange klein an: mit dem Format A6. Ziemlich herausfordernd bei den filigranen Pflänzchen, die ich abbilden will. Da muss ich sehr fein arbeiten. Mein erstes Motiv ist die Minze. Davon habe ich gleich mehrere Sorten im Garten, wähle aber die heimische Wildform als Vorlage: die „Mentha Longfolia“, auch Rossminze genannt. Ein herb duftendendes aber umso hübscheres Kraut.

Ich übertrage das Motiv seitenverkehrt auf die Platte und beginne zu schnitzen. Dabei trage ich alles, was nicht gedruckt werden soll, mit dem Messer ab – so lange, bis das Motiv reliefartig übrig bleibt.

Um die Details herauszuarbeiten, braucht man wirklich feine Schnitzmesser.
Und schon gibt es einen Interessenten für den Schnitzabfall. Da hat wohl jemand Hunger …

Das Schnitzen zieht sich in die Länge. Ich muss die Platte immer wieder auf die Heizung legen, damit das Linoleum warm und somit geschmeidiger wird. An einem Tag, so wie ich es vorhatte, werde ich nicht damit fertig. Trotzdem versuche ich es gleich mit ein zweitem Motiv: dem Oregano. Die heimische Wildform, der „Dost“, wie er auch genannt wird, blüht im Sommer dunkelrosa an den Wegrändern, schmeckt aber nicht so intensiv wie seine südländischen Verwandten. Die Bienen lieben ihn trotzdem. Und ich ihn auch.

Das Motiv habe ich seitenverkehrt übertragen.
Zuerst ziehe ich die Konturen mit dem feinsten Messer nach.
Dann trage ich alles rundherum ab und schneide das Motiv aus.

Diesmal nehme ich eine von den hellen, neueren Linolplatten. Die sollen leichter zu bearbeiten sein. Das stimmt auch, allerdings ist das Materia bröselig. Ich muss aufpassen, damit die feinen Details nicht „wegbrechen“. Ein Vorteil: Man sieht die Vorzeichnung besser. Trotzdem: Das nächste Mal wird es wieder eine dunkle Platte …

Es geht ans Drucken.

Aber nicht gleich … Zuerst muss ich Papier zurechtschneiden. Dazu nehme ich normales Zeichenpapier, denn die ersten Drucke gehen fast immer schief. Ich weiß nicht, woran es liegt: Muss die Platte erst eingearbeitet werden, die Farbe die richtige Konsistenz bekommen? Und vor allem: Was ich die letzten Tage „zusammengeschnitzt“ habe, kommt erst mit dem ersten Druck deutlich zutage. Da gibt es meistens noch Korrekturbedarf.

Einige unserer handgeschöpften Papiere.
Meine heiß geliebte französische Druckpresse – namens „Anette“.


Ich bereite aber auch ein paar unserer handgeschöpften Papiere vor. Jedes der Papiere verleiht dem Motiv einen anderen Charakter. Ich möchte einige durchprobieren. Auch die richtige Farbe will gewählt werden. Aber nicht alles auf einmal.
Das nächste Mal mehr dazu …

15.03.2025

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