Mehrfärbig drucken /1

Es wird bunt …

… und kompliziert, denn diesmal möchte ich es mit einem mehrfärbigen Linoldruck versuchen.

Die Herausforderung dabei – sofern man mit mehreren Platten druckt – ist die Passgenauigkeit. Denn die zweite Farbe soll genau dorthin gedruckt werden, wo sie sein soll. Verrutscht das Papier, weil man beim Auflegen gewackelt hat, gibt es unschöne Blitzer im Motiv und etliche Fehldrucke. Kurz: Man braucht eine „Registrierung“, wie es in der Fachsprache heißt, um Platten und Papier möglichst exakt zu positionieren. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. In meinem Buch „Linolschnitt“ von Emily Louise Howard gibt es dazu ein ganzes Kapitel. Ich versuche, kurz zu zeigen, wie ich es gemacht habe.

Zuerst habe ich ein Motiv skizziert. Dann habe ich mir die Farbtrennung überlegt. Hier sind es zwei Farben: Orange und Schwarz. Es sei geraten, die Farbtrennung so anzulegen, dass kein großes Malheur passiert, wenn die Farben nicht exakt aneinander stoßen. (Schwer, das zu erklären – nach dem ersten Projekt ist man meist schlauer. So auch ich.)

Hat man eine dunkle Farbe wie Schwarz, kann diese die anderen Farben im letzten Durchgang überdrucken. Bei diesem Bild habe ich die schwarze Katze auf dem Sessel nicht ausgespart sondern über das Orange gedruckt. Hätte ich eine grüne Katze drucken wollen, wäre das viel kniffliger gewesen.

Als nächstes habe ich jede Farbe des Motivs auf eine Platte übertragen. Achtung: Schon hier muss man genau arbeiten, auch leicht schief geschnittene Platten rächen sich später (wie ich gemerkt habe).

Ich schnitze also für jede Farbe eine eigene Platte.
Links Schwarz, rechts Orange. Wie immer beim Linoldruck seitenverkehrt.

Und hier kommen wir zu meiner selbst gebastelten Positionierhilfe: Als erstes habe ich einen Maske in der Größe meiner Platte zugeschnitten. Am besten aus Karton, damit man die Platte gut hineinlegen kann, ohne dass sie verrutscht. Ich habe Passepartoutkarton verwendet. Das Format des Papiers habe ich außen angezeichnet. Somit kann ich die Platte ein- und das Papier genau an der Markierung auflegen.

Bei manchen Motiven reicht das schon als Positionierhilfe. Aber da ich beim Papierauflegen gern wackle, habe ich den Rahmen links zusätzlich mit „Passmarken“ ergänzt. Und mir aus Klarsichtfolie Laschen mit Passmarken gebastelt.

Auf die Laschen (Ich habe Streifen aus Klarsichthüllen geschnitten) habe ich mit Marker Passkreuze gezeichnet. Ich nehme nun ein Blatt Papier, lege es exakt auf die Formatvorgabe am Rahmen, …

dann positioniere ich die Laschen so, dass sie mit dem Passkreuz am Rahmen übereinstimmen und klebe sie mit ablösbarem Klebeband am Papier fest. Ich bereite gleich ein paar Blätter mit Laschen vor.

Wenn es ans Drucken geht, wird zuerst ein mit Laschen präpariertes Blatt aufgelegt und die Streifchen passgenau nun auch am Rahmen angeklebt. Wieder mit ablösbaren Klebeband. Ich klappe das Blatt zur Seite und lege die eingewalzte Druckplatte ein.

Das Papier wird vorsichtig über die Platte geklappt,
ein Zeitungsblatt kommt als Schutz drüber und dann drucke ich (in meinem Fall mit der Andruck-Walze).

Das bedruckte Papier wird abgezogen, die Laschen vom Rahmen gelöst, aber nicht vom Papier. Der Druck wird also mit den Laschen zum Trocknen aufgehängt. (Auf den Fotos sieht mans schlecht)

Und das ist der Trick: die Laschen kommen somit beim nächsten Durchgang wieder zum Einsatz, indem man das bedruckte Papier wieder genau positionieren kann.

Im nächsten Artikel zeige ich, wie es weitergeht. Obwohl es eigentlich von jetzt an klar sein sollte. Man lässt die Streifchen so lange dran, bis man fertig gedruckt hat.

Diese Technik habe ich übrigens nicht selbst erfunden. Im oben erwähnten Buch wird die Methode vorgestellt, allerdings mit Laschen, die man kaufen kann (Register Pins von Ternes-Burton – werden in den USA hergestellt). Dabei handelt es sich um kleine Metall-Stifte und Laschen mit Loch, die man in die Stifte einhängt. Leider funktioniert das bei meiner Presse nicht, da ich ja nicht einfach über Metallstäbchen walzen kann. (Man könnte einen Filz darüber legen, aber da müsste ich die Presse neu justieren). Abgesehen davon habe ich keinen Händler gefunden, der diese Teile in die EU liefert.

Also habe ich mir selbst ein Set gebastelt. Funktioniert gut – wenn ich von meinem schlechten Verhältnis zum rechten Winkel absehe: schief geschnittenes Papier, schiefe Platte, schiefe Passer: am Ende kommt alles zusammen und passt doch irgendwie 🙂 Manchmal zumindest.

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30.12.2025

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