Kräuterportraits /2
Wir bringen das Ganze aufs Papier.

Zuletzt hatte ich zwei Kräuter-Sujets aus Linolplatten geschnitzt. Inzwischen sind ein paar dazugekommen. Jetzt will ich das Ganze gerne drucken. Dazu habe ich verschiedene Papiere im Format A6 vorbereitet, auch selbst geschöpfte.
Jedes Papier verleiht einem Druck einen eigenen Charme. Ich finde ja auch, dass jedes der Kräuter seinen eigenen Farbton verdient hat. Hier habe ich ein kühles Grün für die Minze gemischt. Mein Assistent Poldo schaut nicht begeistert drein, er meint vielleicht, dass die Farbe nicht gut genug zu seinen Augen passt.
Aber zuerst mache ich Probedrucke: In Schwarz und auf einfachem Papier. Denn jetzt kommt die Wahrheit ans Licht – und ich kann sehen, ob meine Druckplatte gelungen ist.

Ich bearbeite die Farbe auf einer Glasplatte, bis sie richtig geschmeidig wird.

Dann walze ich die Druckplatte ein. Hier habe ich eine Schafgarbe geschnitzt.

Die Platte kommt nun auf die Presse. Ich habe mir eine einfache Positionierungshilfe gebastelt.

Jetzt das Papier auflegen – und bloß nicht wackeln!

Zeitungspapier zum Schutz darauf – und langsam die Walze drüber ziehen. Ich liebe das Geräusch, das dabei entsteht.

Vorsichtig das Papier abziehen …

… und das Resultat betrachten. Nicht schlecht – bis auf die Patzer rechts unten. Da muss ich die Druckplatte nachbessern. Und weniger Farbe auftragen.

Das Johanniskraut schaut auf Anhieb gut aus.
Jetzt kommt Farbe ins Spiel.
Ich liebe es, individuelle Farbtöne zusammenzumischen, die Farben, die es zu kaufen gibt, verwende ich so gut wie nie pur. Obwohl es sehr viele und schöne Farben im Handel gibt. Es macht mir einfach Spaß, Farben zu panschen – allerdings bekomme ich den Ton nie wieder so hin wie beim ersten Mal, falls ich Nachschub brauche. Tja, meine Drucke sind eben echte Unikate.

Ein Mintgrün für die Minze.

Steht ihr gut, das sieht man schon auf der Linolplatte.

Ich habe ein paar von Christians handgeschöpften Papieren bedruckt. Die hat er schon vor einiger Zeit gemacht, alles Probeexemplare, die beim Üben entstanden sind. Teilweise weiß er nicht mehr, welche Fasern er verwendet hat. Das rechts unten ist jedenfalls Strohpapier – und gefällt mir am besten. Das links oben ist Zeichenpapier aus dem Handel – mit Struktur und auch nicht billig – aber, wie ich finde, nicht so charmant wie die selbst geschöpften Papiere.
Wie unterschiedlich das Motiv auf dem jeweiligen Papier wirkt! Die Farbe sieht gedruckt immer viel dunkler aus als beim Anmischen. Doch bei einigen Papieren dunkelt sie noch mehr nach, die Farbe zieht mehr ein als bei anderen, das liegt vermutlich daran, dass weniger Leim im Papier ist.

Die Schafgarbe wird in dunklem Oliv gedruckt.

Es muss nicht immer Grün sein.

Vier Stück habe ich schon. Nach der Minze, der Schafgarbe und dem Johanniskraut ist auch noch der Oregano dazugekommen.
Bis zum Jahresende hätte ich gern 12 stück beisammen, um daraus einen Kalender zu machen. 12 Stück heimischer Wildkräuter oder besser „heimischer Heilkräuter“ oder „ein- und ausheimischer Teekräuter“ oder … auf jeden Fall werden es Kräuter.
Das alles sieht vielleicht ganz einfach aus. Ist es auch, wenn man genug Übung hat. Aber die vielen Fehldrucke und Kandidaten für den Mistkübel habe ich hier natürlich nicht dokumentiert. Genauso wenig meine Flüche und das kleine Intermezzo, als der Kater hinter meinem Rücken über die Farbpalette gelaufen ist.
Das wichtigste: Es macht Spaß und es wird weitergedruckt. Auf jeden Fall.

Hier ein Beweisfoto. Wir haben zwar zwei Kater, und ich habe nicht dabei zugesehen, trotzdem weiß ich genau, welcher es gewesen ist. Ins Atelier darf er nicht mehr, wenn ich drucke, so fotogen er auch ist.
24.04.2025
Stichwort: Hochdruck, Illustrationen, Linolschnitt, Pflanzenmotive