Brennnesseln
Auf der Suche

Es mag seltsam klingen: Im Spätwinter machen wir uns auf die Suche nach einer Pflanze, um die wir im Sommer einen großen Bogen machen. Die Rede ist von der Brennnessel. Möglichst viel davon wollen wir sammeln, um Papier aus ihren Fasern zu machen. Denn Brennnesselfasern sollen sich sich gut dafür eignen. Der Winter hat uns schon Arbeit abgenommen – wenn die Stängel dürr und braun sind, soll es besonders leicht sein, die Fasern abzuschälen. Und: Die Nesseln brennen nicht mehr.
Aber zuerst müssen sie wir mal finden. Gar nicht so einfach, im Februar, wo alles mehr oder weniger gleich braun aussieht, Brennnesseln als solche zu identifizieren. Auch wissen wir nicht, wo genau wir suchen sollen. Leider haben wir uns im Sommer nicht gemerkt, wo sie gewachsen sind. Es muss doch Unmengen von Brennnesseln hier geben, aber wo sind sie, wenn man sie braucht? Ich glaube, mich erinnern zu können, im Sommer am Thumeritzbach „Jetzt bloß nicht ausrutschen“-Gedanken gehabt zu haben – nicht wegen des steilen Bachufers, sondern wegen dem Meer aus Nesseln an der Böschung.

Wir beschließen „mal schauen“ zu gehen. Dort, wo ich sie vermutet habe, sind sie nicht, aber in der Nähe, direkt am Bach. Identifiziert sind sie auch bald: An ihrer hohen, schlanken Bogenform mit Resten der typischen hängenden Samenstände. Ein paar Blätter sind auch noch dran.
Doch das Interessante für uns sind nicht die Blätter, sondern die Stängel. Genau genommen, die robusten Fasern an den Stängeln. Die muss man abziehen – angeblich geht es ganz leicht – und sammeln.

Ich versuche es an Ort und Stelle. Leicht geht es nicht, aber es geht. Wir gehen trotzdem ohne Nesseln heim, ohne Tasche zu sammeln bringt nicht viel. Und eine Gartenschere wäre auch nicht schlecht. Das nächste Mal kommen wir mit Säcken – mit großen Säcken, fürchten wir, denn wenn wir uns ansehen, was so eine Nessel an Fasern hergibt, werden wir viele davon brauchen.
02.02.2025
Stichwort: Papier machen, Rohstoffe