Wenn Blüten bluten …
weint der Schöpfer. Und die Schöpferin gleich mit.
Schöpfer und Schöpferin? Zugegeben, es klingt größenwahnsinnig. Aber als was sonst sollen sich Papier-Schöpfende bezeichnen? Vielleicht als Papiermacher. Dann weint eben die Papiermacherin, denn es ist wirklich zum Heulen, wenn ich an die viele Mühe denke, die wir in unsere Versuche, Blütenblätter in Papier einzuarbeiten gesteckt haben.

Wie lange ich winzige Blüten- und Kräuterblätter gesammelt, getrocknet, gepresst (…) habe, um ein ganz individuelles Papier daraus zu machen: Ich hatte die Idee, meine Pflanzenmotive auf mit Pflanzenteilen angereicherten Papieren zu drucken. Die Kornblume auf Papier mit Kornblumenblüten, bei der Kamille kommen die gelben Blüten der Färberkamille dazu, usw … Das gesammelte Material wollte ich einer neutralen Pulpe (z.B. aus Baumwolle) zumischen. Doch in unserer großen Schöpfwanne hätten sich die kleinen Teilchen verloren. Also wollten wir Folgendes versuchen: Christian schöpft und ich streue gleichzeitig mein Material ins Sieb. Damit es auch im Papier landet, und nicht irgendwo herumschwimmt.

Bestückt mit meinen Tiegelchen werfe ich meine Deko ins Sieb. Die winzigen Blüten des Frauenmantels haben es mir besonders angetan.

Alles schön arrangieren, aber so recht funktioniert das nicht. Christian muss rasch schöpfen, sonst wird das nichts.

Beim Schöpfen wird klar, dass es zu viel des Guten ist.

Gut, es ist ein Versuch. Trocken sieht es immer anders aus.

Das (trockene) Resultat ist ernüchternd. Nicht nur, dass die gelbgrünen Frauenmantelblüten ihre Farbe verloren haben, sie haben Flecken produziert, haben Farbe ins umliegende Papier abgegeben – also „geblutet“. Das gefällt mir gar nicht. Abgesehen von den Flecken ist viel zu viel „Zeug“ drin. Außerdem liegen die Blättchen und Gräser nur oben auf und haben sich nicht richtig mit dem Papier verbunden.

Nächster Versuch
Ich beschließe, es selbst mit dem Schöpfen zu versuchen, besorge mir eine kleine Wanne und ein kleines Sieb und baue alles auf der Terrasse auf. Zwei Dinge habe ich gleicht gelernt: Das Schöpfen ist nicht leicht – und ich werde nie mehr am Schrat herumnörgeln, wenn er wieder voller Papierfuzzeln aus der Werkstatt kommt.
Jedenfalls habe ich eine wohl überlegte Menge an Blütenblättern der Färberhundskamille in meine Wanne gestreut und lange stehen lassen, damit sie sich gut mit der Pulpe vermengen. Ich habe den ganzen Nachmittag geschöpft – herrlich bei schönem Wetter – es ist mir langsam gelungen Blätter und keine Klumpen zu produzieren. Aber dann der Schock: Nichts als Flecken am Papier. Die Färberkamille, die beim ersten Versuch unauffällig geblieben ist, hat Flecken gemacht. Nicht schön. (Gut, die Pflanze heißt „Färberkamille“. Eigentlich hätte ich mir denken können, dass sie Farbe abgibt.)

Dann eben Kornblumen
In der Zwischenzeit hat Christian bei einer erfahrenen Papiermacherin Rat eingeholt. Beatrix von der „Papierwespe“ meint, dass es Pflanzen gebe, die bluten, und welche, die es nicht tun. Mehr oder weniger müsse man es ausprobieren. Korn- und Ringelblumen sind jedenfalls „safe“.
Dann versuche ich es eben damit. Die Kornblume hatten wir ja schon einmal erfolgreich verwendet. Wieder schöpfe ich den ganzen Nachmittag. Das Resultat? Was soll ich sagen … Kornblume, du Verräterin!
Christian hat einen Hinweis gefunden: Die Blüten soll man mit kochendem Wasser übergießen bevor man sie zur Pulpe mischt. Dadurch würden sie allerdings die Farbe verlieren. Am nächste Tag versuche ich es mit „abgebrühten“ Kornblumenblüten. Das Ergebnis trocknet gerade an der Tür im Obergeschoss. Vor einer Stunde hat es noch gut ausgesehen …

Poldo ist wenig beeindruckt von dem blutigen Drama. Auf selbstgeschöpftem Papier schläft sichs eben am Besten.
24.09.2025
Stichwort: Papier machen, Rohstoffe