Kornblumenpapier

Baumwolle meets Kornblume.

Mitte Juni bekommen manche Felder „blaue Flecken“. Bei uns im Waldviertel beginnen die Kornblumen zu blühen. Schon von weitem sehen wir die leuchtend blauen Inseln im Grün. Das Feld auf dem Bild ist eigentlich ein Haferfeld. Hier fühlt sich die Kornblume sichtlich wohl – bestimmt ein Bio-Feld.

Ich würde gern Papier mit eingeschöpften Blütenblättern ausprobieren. Christian ist nicht begeistert, er findet das ein bisschen kitschig. Aber er meint, dass man grundsätzlich aus allem Papier machen kann – also warum nicht auch aus der ganzen Kornblumenpflanze.
Also gehen wir sammeln. Mir tut es weh, ganze Büschel von dieser hübschen Pflanze zu ernten, ich pflücke sie lieber einzeln – für die Blumenvase. Aber hier gibt es wirklich viel davon. Und der Hafer wird sich sicher auch über mehr Platz im Feld freuen.

Ich zupfe Blütenblätter ab und lasse sie auf einem Sieb trocknen. Ich verwende Kornblumenblüten auch gern für eine selbstgemachte Teemischung, und weiß daher, dass sie auch getrocknet ihr schönes Blau behalten.

Die Basis für die Pulpe besteht aus Baumwolle. Dazu kommen etwa 20 % der gekochten und zerkleinerten Pflanzen. Die Blütenblätter werden zum Schluss untergemischt – und verschwinden beinahe in der großen Wanne.

Christian schöpft wieder kleine Formate für meine Linoldrucke. Von den Blüten lassen sich nur wenige beim Schöpfen einfangen. Obwohl ich versuche, möglichst viele Blättchen Richtung Sieb zu „schupfen“ – viele wollen lieber am Wannenrand bleiben.

Eines sieht man jetzt schon: Das Papier wird sehr hell und sehr dick. Ich bin gespannt.

Vom fertigen Papier bin ich begeistert. Es ist wunderbar weich und fest – dank der Baumwolle. Die Pflanzenfasern sind zwar spärlich, aber geben einen hübschen Akzent. Mehr davon wäre vermutlich zuviel, vor allem beim Drucken. Der einzige kleine Nachteil: Man kann eine regelmäßige Verteilung der Blüten in der großen Wanne kaum steuern. Die Papiere fallen also sehr unterschiedlich aus. Ich werde es einmal mit einem kleineren Sieb und einer kleineren Wanne versuchen.

Unsere „türgetrockneten“ Papiere haben alle eine raue und eine glatte Seite. Die Seite, mit der sie an der Tür gehaftet haben, ist die glatte – und die, auf der ich lieber drucke. Das Kornblumen-Baumwoll-Papier eignet sich sehr gut für hellere Farben. Und da es so dick und weich ist, entsteht beim Hochdruck ein leichter Prägeeffekt, besonders bei der Schrift. Die Druckplatte für die Schrift habe ich übrigens nicht geschnitzt (das hätte ich nie so exakt geschafft), sondern mittels einem fotoempfindlichen Material hergestellt. Dazu vielleicht einmal mehr …

Ich bin jedenfalls zufrieden und beginne schon, kleine Pflänzchen für weitere Papiere zu sammeln.

12.06.2025

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