Klettenpapier
Grün und doch nicht grün.

Weil ich mir etwas mehr Farbe im nächsten Papier gewünscht habe – am besten meine Lieblingsfarbe Grün – hat sich Christian schlau gemacht, aus welchen Pflanzen man grünes Papier herstellen kann. Natürlich kann man Papier auch mit Pigmenten und speziellen Farben tönen, wir wollen es aber zunächst mit der „Naturmethode“ versuchen. Dabei ist Christian auf die Klette gestoßen. Die Pflanze mit den anhänglichen Samenständen, die sich gern an Kleidung und Haare heften. Schon beim nächsten Spaziergang finden wir ein prächtiges Exemplar am Wegrand. Die Verarbeitungsmethode ist auch einfacher als bei den mühseligen Brennnesselfasern. Die Kletten werden einfach zerkleinert.

Die Blätter werden erstmal in Stücke geschnitten und vorgekocht.

Schon im Holländer schaut das Ganze vielversprechend aus. Mich erinnert der Brei an Erbsensuppe, riecht aber nach Spinat.

Die Pulpe behält ihre grüne Farbe,

das geschöpfte Papier auch.

Die Papiere werden wieder an den Türen getrocknet. Ich bin ein wenig irritiert von der intensiven Farbe. Aber wie wir schon herausgefunden haben, werden die frischgeschöpften Papiere heller, wenn sie trocknen. Wir haben ohnehin die Befürchtung, dass das Grün mit der Zeit ausbleichen wird.

Es ist mittlerweile recht warm im oberen Stockwerk, die Papiere trocknen schnell. Im ganzen Atelier riecht es nach Spinat.

Doch leider hält sich die Farbe nicht lange. Die Pigmente scheinen auf Licht zu reagieren. Am Bild links sieht man das Resultat nach etwa zwei Wochen:
Die Bögen in der Mitte sind in der Schublade gelegen, das Blatt links auf einem Tisch in einer dunklen Ecke. Auch den Druck habe ich auf Klettenpapier gemacht, und anschließend im sonnigen Atelier an der Leine trocknen lassen.

Auch hier sieht man den Unterschied. Das Papier rechts ist mitten um Papierstapel gelegen, das linke ganz oben.
Also ist das Grün der Klette sehr flüchtig. Was übrig bleibt, ist ein unauffälliges grau-braunes Papier mit wenig Einschlüssen. Wir werden es schon brauchen können. Auch nach Wochen haftet ihm ein zarter Geruch nach Spinat an.
17.07.2025
Stichwort: Papier machen, Rohstoffe